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MY JOURNEY - "Danach ging nichts mehr. Mir hing die Zunge raus."

41 Tage. 41 Menschen. 41 Geschichten bis zum 41. BMW BERLIN-MARATHON

18.08.2014

© Frank Winter

Die Geschichte von Frank Winter beginnt mit seinem Klassentreffen im Jahr 2001. "Ich kam damals zehn Minuten zu spät und stellte mich zu der Gruppe meiner ehemaligen Klassenkameraden. Da bemerkte ich, wie mich einige schief von der Seite ansahen. Meine Jugendliebe aus Schulzeiten kam zu mir und fragte: „Sag mal, wer bist du denn?“ Ich entgegnete bloß: „Mensch, erkennst du mich denn nicht? Ich bin´s, der Frank.“ Meine Schulfreundin guckte mich schockiert von oben bis unten an: „Was bist du nur fett geworden?!"

Ein Satz, der es in sich hatte. Aber für Frank waren es die Worte, die sein Leben verändern sollten. Am Morgen nach dem Klassentreffen schnürte er die Laufschuhe und setzte sich in Bewegung. 500 Meter schaffte er. "Danach ging nichts mehr. Mir hing die Zunge raus." Doch der damals 39-Jährige ließ sich nicht entmutigen. Jeden Tag ging er laufen und von Tag zu Tag wurden es ein paar Meter mehr. Der Manager arbeitete zu der Zeit für ein Produkt, das mit der Supermarktkette REAL kooperierte. Die Supermarktkette real,- war damals noch Titelsponsor des BERLIN MARATHONS. Ein befreundeter Mitarbeiter versprach Frank einen Startplatz beim Marathon im September, wenn er sein Training eisern fortführte. Fünf Monate hatte Frank Zeit, um in Form zu kommen. Das hieß für den viel beschäftigten Manager morgens um 5 Uhr aufzustehen, um die Trainingsläufe noch vor Arbeitsbeginn hinter sich zu bringen.

Doch der Plan ging auf. Beim Marathon im September 2001 schaffte es Frank nach 4:28 Stunden ins Ziel. Auch in der Zeit danach blieb er beim Laufen und verlor innerhalb von eineinhalb Jahren 19 Kilogramm an Gewicht. Bis heute ist der Thüringer, der beruflich wochentags in ganz Deutschland unterwegs ist, insgesamt 20 Marathons gelaufen. "Für mich bedeutet der Sport abzuschalten vom Tagesgeschäft. Außerdem habe ich eine 15 Jahre jüngere Frau und eine kleine Tochter Zuhause. Da muss man sich irgendwie fit halten, um noch mithalten zu können", sagt der 50-Jährige mit einem Lächeln im Gesicht. Oft nutzt der Familienvater den Mittagsschlaf der Tochter für sein Training. Vor fünf Jahren hat ihn seine Frau sogar mit auf der Laufstrecke begleitet. "Das war für uns ein ganz besonderes Gefühl, gemeinsam durchs Ziel zu laufen. Danach haben wir erst einmal geheult. Vor Freude."

Wenn Frank an den diesjährigen BERLIN MARATHON denkt, hat er bereits das Bild vom Wilden Eber vor Augen. Am diesem Punkt wird es wieder besonders laut. Da brüllen die Zuschauer den Läufern noch mal eine Extra-Portion Motivation entgegen, die Samba-Bands tun ihr übriges. Die Sportler erreichen hier, am kleinen Platz in Schmargendorf, einen kritischen Punkt: Nach etwas mehr als 28 Kilometern beginnt vor allem für die vielen Hobbysportler die härteste Phase des Rennens. "Wenn der Mann mit dem Hammer kommt, dann kommt er dort", weiß der erfahrene Marathonläufer. "Meistens kommt er aber nicht."


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