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Der Swiss Alpine Marathon wird 20 Jahre alt.
Das Unmögliche probieren. Andrea Tuffli ist ein Trendpionier.
16.06.2005

Andrea Tuffli, der Vater des Swiss Alpine Marathons. Der Swiss Alpine Marathon und der Berlin-Marathon pflegen seit vielen Jahren eine Lauf-Partnerschaft.
© Swiss Image
In Kooperation mit RUNNER’S WORLD erscheint hier jeden Monat ein Thema aus dem aktuellen Heft.
Das Unmögliche probieren. Andrea Tuffli ist ein Trendpionier. Es muss die Höhenluft gewesen sein, welche die Phantasie von Andrea Tuffli damals in den achtziger Jahren beflügelte. Hinter Bergün, dem Bergdorf am Fuße des Albulapasses, der hinüber ins Engadin führt, verbringt Familie Tuffli nämlich seit vielen Jahren Ferien und freie Tage in ihrem Maiensäss, wie man die Almhütten dort nennt. Hinter Bergün steigt der Weg immer steiler an, bis er an den 2740 Meter hohen Sertigpass gelangt und von dort hinab in ein Tal führt, von dem aus man nach einigen Kilometern in Davos landet.
Da Andrea Tuffli in seiner Freizeit dem Laufsport frönte und auch schon Marathonerfahrung besaß, war der Gedanke nicht ganz abwegig, diesen Bergpfad als Teil eines großen Ganzen zu sehen, damals in den Somertagträumen da oben vor dem Maiensäss. Ein Laufwettbewerb, der in längeren Passagen durch hochalpines Gelände führt, das müsste doch zu bewältigen sein von Läufern, die zum Beispiel den 100-km-Lauf von Biel schaffen, dachte sich der heute 63 Jahre alte Ingenieur aus Chur. Dieser Ultra-Klassiker im Schweizer Mittelland hatte Mitte der achtziger Jahre immerhin rund 4000 Teilnehmer.
Die Schweiz erlebte in den achtziger Jahre einen ersten Lauf-Boom. Die Zielgruppe war also vorhanden, auch das Tourismusbüro in Davos signalisierte Interesse, schließlich war dies eine willkommene Gelegenheit, leere Hotelbetten zu füllen in dem für seinen Wintersport bekannten Ort, der im Sommerhalbjahr Wanderer und Mountainbiker anzieht, aber nicht gerade überlaufen ist.
Die Premiere des Swiss Alpine Marathons 1986 war ein Erfolg, und nach wenigen Jahren war er eine feste Größe im Terminkalender ambitionierter Marathon- und Ultraläufer. Der Lauf selbst wird getragen von einer komplexen Infrastruktur aus Helfern und Material. Ein großer Streckenteil, rund 20 Kilometer, führt durch alpines Gelände, das nur zu Fuß bzw. mit dem Helikopter erreichbar ist. Ohne die fliegenden Helfer der Heli Bernina ginge gar nichts bei diesem Lauf. Das Wetter spielt bei dieser Großveranstaltung ebenfalls eine entscheidende Rolle. Meist war es gut. Viermal kamen Nachmittagsgewitter auf, zweimal (1991 und 1993) stand der Lauf auf der Kippe, doch die Ersatzroute, die für derartige Situationen festgelegt ist, wurde bisher noch nicht beansprucht.
Andrea Tuffli ist zweifelsohne einer der Pioniere unter den
europäischen Laufveranstaltern, und wie es sich für Vordenker gehört,
bastelt er ständig an seinem Lauf, versucht mit Optimierungen und
Veränderungen neue Attraktivität zu schaffen. Imitiert haben sie den
Swiss Alpine Marathon natürlich auch, nachdem er sich in der Laufszene
etabliert hatte, in Lenzerheide, in Benken (Liechtenstein), in Zermatt,
in Oberstaufen. Einzig der Jungfrau-Marathon wurde bisher ein Renner.
Doch wie so oft sticht nur das Original aus der Vielzahl hervor. Der
Name, die Strecke, das Ambiente, das Marketing: im internationalen
Vergleich und auf internationalem Parkett kann sich Tuffli mit seinem
Produkt sehen lassen, was man nicht von jedem Imitat sagen kann. Einer
muss eben der erste sein.
Einmal, 1988, lief Tuffli die lange Strecke selbst mit. Zwischen Bergün
und Sertigpass war es, als er an einer Verpflegungsstation einen lauten
Fluch ausstieß und in seinem Bündner Tonfall denjenigen irgendwohin
wünschte, der diesen Lauf erfunden hat.
Editorial von Thomas Steffens, Chefredakteur
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