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BM 02: Kipkoech und Takahashi große Sieger

Die Japanische Olympiasiegerin ist erneut erfolgreich

29.09.2002

Der real,- BERLIN-MARATHON ist seinem Ruf als eines der spektakulärsten und zugleich schnellsten Rennen weltweit über die klassischen 42,195 Kilometer einmal mehr gerecht geworden. Ein Jahr nachdem Naoko Takahashi in Berlin als erste Frau unter 2:20 Stunden gelaufen war, siegte die Olympiasiegerin erneut mit einer Weltklassezeit. Die 30-Jährige lief 2:21:48 Stunden und erzielte damit die 13.-beste Zeit aller Zeiten und die viertbeste in diesem Jahr. Vergleichsweise noch hochkarätiger und zudem spannender war das Rennen der Männer, das der Kenianer Raymond Kipkoech in 2:06:47 Stunden gewann. Dies ist die zehntbeste je gelaufene Zeit und wie Takahshi die viertschnellste in diesem Jahr. Zum ersten Mal blieben in Berlin zudem gleich drei Läufer unter 2:07 Stunden. Beim kenianischen Durchmarsch – die ersten Fünf kamen aus dem afrikanischen Laufland Nummer eins – blieben auch Simon Biwott (2:06:49 Stunden) und Vincent Kipsos (2:06:53) unter der prestigeträchtigen Marke. Lediglich einmal – beim London-Marathon im April – blieb noch ein Läufer mehr unter 2:07 Stunden. Und nur dieses Ausnahmerennen in England war in diesem Jahr bisher insgesamt noch besser als das gestrige in Berlin.

Überschattet wurde der 29. real,- BERLIN-MARATHON allerdings vom fünften Todesfall in der Geschichte des Laufes. Ein 40-jähriger Läufer brach an der Fasanenstraße, weniger als einen Kilometer vor dem Ziel, zusammen und konnte nicht mehr wiederbelebt werden. Dies gelang den Rettungsteams aber bei einem Franzosen, der ebenfalls zusammengebrochen war. Willi Heepe, der ärztliche Leiter der Veranstaltung des Laufes, hatte schon im Vorfeld darauf hingewiesen, dass man mit derartigen Fällen bei so großen Teilnehmerfeldern rechnen muss. Über den medizinischen Hintergrund des Todesfalles wurde gestern zunächst nichts bekannt. Vor zwei Jahren waren zwei Läufer beim real,- BERLIN-MARATHON gestorben. Hintergrund derartiger Fälle sind meistens versteckte Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Infekte, mit denen Läufer trotzdem an den Start gegangen sind.

Rund 800.000 begeisterte Zuschauer bekamen von dem tragischen Fall allerdings nichts mit. Sie sorgten für Volksfeststimmung auf den 42,195 km und feuerten die insgesamt 48.599 Teilnehmer aus 90 Nationen an. Diese Rekordzahl teilte sich auf in 32.752 Läufer, 8369 Skater, 121 Rollstuhlfahrer und 134 Walker. Außerdem beteiligten sich 7223 Schüler am real,- MINI-MARATHON über rund 4,2 km.

Nie zuvor in der Geschichte des real,- BERLIN-MARATHON lagen die ersten drei Männer am Ende so dicht zusammen. Lediglich fünf Sekunden trennten den Sieger Raymond Kipkoech vom drittplatzierten Vincent Kipsos. Und da die ersten drei alle aus Kenia kamen, gab es doch noch einen Streckenrekord. Kenias Männer-Trio benötigte als Mannschaft 6:20:28 Stunden. Nur zwei Sekunden fehlten zum inoffiziellen Team-Weltrekord, den ebenfalls Kenia hält. Dabei hatte es anfangs gar nicht nach einem derart schnellen Rennen ausgesehen. Fast verhalten war das Feld gestartet und hatte den ersten Kilometer auf der Straße des 17. Juni erst nach 3:13 Minuten. Doch der erste war der mit Abstand langsamste Kilometer dieses Marathons. Mit Kilometerzeiten von teilweise deutlich unter 3:00 Minuten zog der Kenia-Express durch Berlins Straßen.

Im Rennen der drei Sieger der vergangener Jahre hatte Simon Biwott, der Gewinner in Berlin 2000, die besten Karten. Schon frühzeitig war bei dem immer schnelleren Tempo der Brasilianer Ronaldo da Costa aus der Spitzengruppe herausgefallen. Es war allerdings schon vorher klar, dass da Costa weit entfernt sein würde von einer Form wie 1998, als er in der damaligen Weltrekordzeit von 2:06:05 Stunden gewann. Dieser Streckenrekord schien im Laufe des Rennens in Gefahr zu geraten. Doch als da Costa als 16. in 2:12:52 Stunden ins Ziel kam, hatte seine Bestzeit noch Bestand. Als die Spitzengruppe zuvor mit dem Wilden Eber einen der Stimmungshöhepunkte erreicht hatte, hatte kurz zuvor auch der später noch auf Platz 20 zurückgefallene Vorjahressieger Joseph Ngolepus (Kenia) den Kontakt verloren. Nun entwickelte sich ein Vierkampf, in dem lange Zeit der Marathon-Debütant Boniface Usisivu (Kenia) eine gute Rolle spielte. Die Entscheidung fiel dann erst auf der Tauentzienstraße, als Kipkoech überraschend im Spurt den Vize-Weltmeister Biwott hinter sich ließ.

Obwohl hinter der Form von Naoko Takahashi ein Fragezeichen stand, päsentierte sich die Japanerin in Berlin einmal mehr souverän. Bis Kilometer 25 lief sie im Windschatten der später zweitplatzierten Mexikanerin Adriana Fernandez (2:24:11). Dann zog „Die Tochter des Windes“, wie Takahashi in Japan genannt wird, davon und kam zum sechsten Sieg in ihrem siebenten Marathon. Nur bei ihrem ersten Versuch über die 42,195 km 1997 in Osaka hat die 30-Jährige, die sich in Berlin ebenso wie Raymond Kipkoech insgesamt 60.000 Euro verdiente, nicht gewonnen.

Die im Rahmen des real,- BERLIN-MARATHON veranstaltete Deutsche Meisterschaft gewann Martin Beckmann (LG Leinfelden), der in der Gesamtwertung mit 2:16:07 Stunden Rang 23 belegte. Bei den Frauen triumphierte die Berlinerin Kathrin Weßel vom Veranstalterklub SCC in 2:36:36. Damit wurde die 35-Jährige im Gesamtklassement Achte. Bester Berliner Läufer war Jirka Arndt (SCC), der mit 2:21:31 Stunden auf Platz 38 lief.

Im Wettbewerb der Inline-Skater verfehlten die Spitzenathleten einmal mehr die erste Zeit unter einer Stunde. Der Kolumbianer Juan Carlos Betancur siegte im Spurt in 1:04:44,4 Stunden mit dem minimalen Vorsprung von einer Zehntelsekunde vor Kalon Dobbin (Neuseeland). Schnellste Frau war die Streckenrekordhalterin: Angèle Vaudan hatte, ebenfalls im Spurt, in 1:13:59,7 Stunden zwei Zehntelsekunden Vorsprung vor Silvia Nino (Kolumbien). Zu einem schweren Unfall war es bei Kilometer 15 gekommen, als Skater stürzten und weitere, dicht folgende Athleten nicht mehr ausweichen konnten. Mehrere Skater erlitten offenbar Knochenbrüche.

„Business as usual“ gab es bei den Rollstuhlfahrern. Zum 15 Mal hieß der Sieger des real,- BERLIN-MARATHON Heinz Frei. Der Schweizer blieb zwar deutlich über seinem fünf Jahre alten Streckenrekord von 1:21:39 Stunden, hatte aber mit 1:28:28 immer noch einen komfortablen Vorsprung von exakt einer halben Minute auf den Japaner Jun Hiromichi. Für Heinz Frei war es der zwölfte Sieg in Serie in Berlin – auch das ein wohl einmaliger Rekord. Auch bei den Frauen gab es keine neue Siegerin in Berlin. Edith Hunkeler (Schweiz) wiederholte ihren Vorjahreserfolg und hatte nach 1:45:53 Stunden das Ziel auf der Tauentzienstraße erreicht. Für sie ist es der dritte Sieg in Berlin.


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