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Abgeordnetenhaus fordert Änderung beim Verkehrschaos

Einstimmiger Abgeordnetenhausbeschluss

27.09.2002

Claudia Hämmerling, stadtentwicklungspolitische Sprecherin, erklärt:

Gestern in den Abendstunden hat das Abgeordnetenhaus einstimmig den Antrag der Bündnisgrünen angenommen, in dem der Senat aufgefordert wird, die geplante Sperrung der Ost-West S-Bahn vom Marathonwochenende auf das folgende Wochenende zu verschieben.

Damit soll nicht nur das Verkehrschaos, dass allen Läuferinnen und Läufern beim diesjährigen Berlin-Marathon bevorsteht verhindert werden. Damit soll auch für Behindertensportler ein barrierefreier Zugang zum Start gewährleistet werden.

Nur durch die Öffnung der S-Bahn ist es möglich, dass der Verkehrssenator den Fehler seiner Verwaltung wieder gutmacht. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und die DB AG hatten in einem Baustellenkoordinierungsgespräch am 5. September 02 entschieden, die S-Bahntrasse der Stadtbahn am Marathonwochenende zu schließen, obwohl an diesem Tag noch immer der Nord-Süd-Tunnel der S-Bahn gesperrt ist und marathonbedingt 43 Bus- bzw. Straßenbahnlinien sowie Taxen nur eingeschränkt oder gar nicht verkehren.

Der Senat muss jetzt alle Einflussmöglichkeiten nutzen, damit die Baumaßnahmen auf das Wochenende nach dem Marathon zu verschoben werden. Notfalls muss Senator Strieder den Schirmherrn des diesjährigen Berlin-Marathon, Bundeskanzler Gerhard Schröder um Unterstützung gegenüber der DB AG bitten.

Der Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Das Abgeordnetenhaus wolle beschließen:

Der Senat wird aufgefordert, auf die Deutsche Bahn AG einzuwirken, damit die geplante Sperrung der Ost-West S-Bahnverbindung vom Marathonwochenende auf das folgende Wochenende verschoben wird.

Begründung:

Am diesjährigen Berlin-Marathon werden mehr als 41.000 Erwachsene aus 90 Nationen und 7.000 Jugendliche teilnehmen. Erfahrungsgemäß wird jeder der Aktiven von 2 Familienangehörigen oder anderen Begleitpersonen unterstützt. So ist diesmal mit bis zu 150.000 Menschen an den Startpunkten in der West-City zu rechnen. Bereits im letzten Jahr war der U-Bahnverkehr auf der U2 kurzzeitig zusammengebrochen, obwohl die Ost-West S-Bahnverbindung funktionierte und ca. 6000 Aktive weniger am Start waren.

Am 5. September diesen Jahres wurde in einem Baukoordinierungsgespräch zwischen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und der DB AG entschieden, für die notwendige Bahnsperrung der Ost-West S-Bahn das Marathonwochenende auszuwählen, obwohl an diesem Tag noch immer die Nord-Süd S-Bahn gesperrt ist und marathonbedingt sowohl 43 Bus- bzw. Straßenbahnlinien nur eingeschränkt oder gar nicht verkehren als auch der gesamte Taxiverkehr und Schienenersatzverkehr behindert ist bzw. zum Erliegen kommt.

Dabei sind die Einschränkungen der Mobilität der auf eine Million geschätzten Zuschauer, die ihre Standorte am Straßenrand mit dem Hauptfeld oder ihrer Bezugsperson wechseln, nur ein untergeordnetes Problem. Der Behindertensport wird gedankenlos ausgegrenzt. Die Rollstuhlfahrer können nicht mit der Bahn zum Start gelangen, weil der U-Bahn-Zugang Ernst-Reuter-Platz keinen Aufzug hat und die S-Bahntrasse mit Aufzug am Bahnhof Tiergarten gesperrt ist. Ein weiteres Problem ist, dass nicht alle Teilnehmer aus der östlichen Stadthälfte den Start pünktlich zur selben Zeit erreichen können, wenn lediglich die U2, S-Bahn- Pendelverkehr im 10 Minuten-Takt und Schienenersatzverkehr zur Verfügung stehen. Solche Beeinträchtigungen sind für die Läuferinnen und Läufer eine psychische Zumutung, ganz zu schweigen, für die 15.000 ausländischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, für denen gegenüber die sprachliche Vermittlung der Modalitäten des SEV aussichtslos sein dürfte. Es ist zu erwarten, dass 9:00 der Startschuss fällt und einige tausend Läufer im Schienenersatzverkehr oder überfüllten U-Bahnen feststecken. Das wäre nicht nur für die Betroffenen, die sich ein Jahr intensiv vorbereitet haben ein Fiasko. Auch für den Berlin-Marathon mit den weltweit höchsten Teilnehmerzahlen solcher Events hätte ein so peinliches Verkehrschaos Imageschäden zur Folge. Das internationale Ansehen der Stadt Berlin würde beschädigt.

Deshalb empfiehlt es sich dringend, die Baumaßnahmen auf das Wochenende nach dem Marathon zu verschieben. An diesem Wochenende ist zwar aufgrund des vorhergehenden Feiertag mit vielen Touristen zu rechnen. Im Gegensatz zum Berlin-Marathon stehen aber Busse und Straßenbahnen uneingeschränkt zur Verfügung und es gibt keine Konzentration der Besucher zur selben Zeit am selben Ort. Berlin, den 23. September 2002

Dr. Klotz
Wieland
Hämmerling
und die übrigen Mitglieder der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen


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