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Neue Laufeuphorie ausgebrochen? Aber wieso denn.

DIE KOLUMNE ZUM MITTWOCH

17.05.2000

Wer in den letzten Wochen die Teilnehmerzahlen der Läufe jeglicher Grössenordnung
verfolgte, konnte feststellen, dass verschiedentlich die Organisatoren schon weit
im Vorfeld limitierten und keine Anmeldungen mehr annahmen.

Ausserhalb der Diskussion steht London mit seinen 99.000 Anfragen und Paris mit
31.500 Teilnehmern (Vorjahr: 22.000!), aber auch in Deutschland zogen Veranstalter
die "Handbremse": Wolfram Götz vom Hansaplast-Marathon Hamburg machte "zu" bei knapp
17.000 Teilnehmern, der Newcomer Gutenberg-Marathon in Mainz war mit knapp 5.000
Läufern schon lange vorher ausgebucht, der Hermannslauf machte auch die "Schotten
dicht", beim 20. BERLINER HALBMARATHON verdoppelten sich fast die Zahlen auf
8.137 Teilnehmer.

Ebeno erfreuliches kann Wolfgang Konrad vom Wien-Marathon berichten. Im letzten Jahr
noch von der Hitze gebeutelt und deswegen auf einen Rückgang in 2000 gefasst,
konstatiert Wolfgang Konrad, dass in Österreich die Laufeuphorie ausgebrochen ist.
Er wird bei seinem Wien-Marathon einen neuen Rekord mit 10.000 Marathonläufern
aufstellen, aber auch limitieren und nicht mehr annehmen. Nach neuesten Umfragen
in Österreich läuft jeder achte im Nachbarland - das ist eine völlig neue
Entwicklung.Wenn wir das auf Deutschland umrechnen, dann wird hier in der Zukunft
noch einiges passieren. Denn Deutschland und Österreich hinkten der Laufentwicklung
in Europa hinterher, sofern man Skandinavien, Frankreich, Holland und mehrere
unserer europäischen Nachbarn zur Richtschnur nahm.

Was ist plötzlich los?

In Paris zuckte man die Schultern und wies auf das Jahr 2000 hin, aber das kann
keine plausible Erklärung sein.

Festzuhalten bleibt, dass eine kontinuierliche Basisarbeit und Öffentlichkeitsarbeit
wahrscheinlich langsam Früchte trägt. Beispiele wie Köln und Mainz zeigen, wie
plötzlich und unerwartet das Angebot in noch nicht "voll erschlossenen" Lauf-Gebieten
angenommen wird, wer zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort das Richtige macht,
der hat dann den Erfolg des Tüchtigen. Danach ergibt sich wahrscheinlich ein
Rattenschwanz von Folgerungen, weil nach der These "einmal Läufer, dann immer öfter
Läufer" - alle anderen Läufe dann an der positiven Entwicklung teilhaben.

Wenn es tatsächlich so wäre, machen wir uns beim Alberto BERLIN-MARATHON schon auf
einiges gefasst. Für uns ist Hamburg schon immer ein Gradmesser auch der Beteiligung
in Berlin. Wenn dort die Teilnehmerzahlen steigen, dann geht es in Berlin weiter hoch her.

Bis jetzt hatten wir im Vorjahr nur die Skater limitiert, das kann 2000 auch wieder
eintreten. Bei den Läufern ist das Limit laut Ausschreibung bei 25.000! (wie 1990).
Das ist bisher noch lange nicht erreicht, aber der verbilligte Meldeschluss ist der
14. Juni 2000 - und bis dahin tut sich immer Gewaltiges.
Vielleicht hält die Laufeuphorie an, dann sind wir am 15.6. schlauer und melden uns
an dieser Stelle wieder zu Wort.

Horst Milde
RUNNING-Team
Veranstaltungsleiter
Alberto BERLIN-MARATHON


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